In freier Wildbahn – Mit dem Fahrrad auf den Spuren der Goldgräber
Einst lockte der Klondike Gold Rush Abenteurer in die Wildnis des hohen Nordens Kanadas / Yukons, heute uns Profi- und Hobbyradfahrer. Jan Schur (ehemaliger Weltmeister und Olympiasieger), Erik Schur (ehemaliger Profifahrer), Michael Schwarz, der das Material zur Verfügung stellte (Schwarzfahrt) und immer noch aktiv an den Master-Weltmeisterschafen teilnimmt, der Neusser Zlatko Dizdarevic, die Mutter der Idee Meggi Gau aus Frechen, Hobbyfahrer Robert Gronau und



us einer verrückten Idee wurde ein Pilotprojekt, dasdem ambitionierten Radfahrer den Yukon als sportliche Herausforderung und Reiseziel näherbringen soll. Auf den Spuren der Goldgräber haben wir Mitte September in der Zeit des Indian Summer die Flora und Fauna erkundet, ohne zu ahnen, welche atemberaubende Eindrücke wir wieder mit nach Hause nehmen würden.
Nach einem neunstündigen Nonstop-Flug landeten wir in Whitehorse, der Hauptstadt des Yukon. Sie ist nach mittlerweile verschwundenen Stromschnellen benannt, die der wehenden Mähne eines weißen Pferdes ähnlich sahen.
Schon bei der Ankunft merkten wir, dass Stress und Hektik hier Fremdwörter sind. Empfangen von unserem Tour-Guide Wolfgang Bublitz , der durch seine warmherzige und gelassene Art von der ersten Minute an zum Team gehörte, ernannten wir Ruby Range Adventures, mit denen wir schon im Vorfeld Kontakt hatten, zu unserem Hauptquartier. Hier wurden wir auch mit Infomaterial über den sicheren Umgang bei unwahrscheinlichen, aber möglichen Begegnungen mit Tieren in der Wildnis – auch Bären – versorgt und eingewiesen. Wir wurden liebevoll als “Meals on Wheels” (Essen auf Räder) bezeichnet; so nennen Einheimische die Radfahrer am Yukon.
Die erste Etappe war bereits am Ankunftstag geplant und so wurden schnell die Fahrräder zusammenmontiert und los gings.
Noch etwas müde vom Flug, haben wir uns um Whitehorse herum eingeradelt, vorbei an der berühmten ‘SS Klondike’. Dieser Schaufelradbagger hat einst die Goldsucher und ihre Familien bis nach Dawson City gebracht.
Nur wenige Kilometer außerhalb von Whitehorse erwartete uns am Miles Canyon die pure Natur. Weit und breit war von der uns so alltäglichen und gewohnten Zivilisation nichts mehr zu sehen. Kein Handy-Empfang und auf uns alleine gestellt, für uns Großstädter sogar etwas gespenstig.
Die ersten Eindrücke waren atemberaubend. Die Landschaft ist urgewaltig und nimmt einfach kein Ende. Noch müde vom Flug endete dieser erste Tag nach einem üppigen und leckeren Abendessen kanadischer Art im tiefen Schlaf.
Der folgende Tag führte uns über den Alaska Highway und sieben Kilometer über Schotter auf die Ranch von Frank Turner ” A Place for people who love dogs”; ein Musha und stolzer Besitzer von mehr als 130 Schlittenhunden. Frank Turner (liebevoll Grandma genannt / Muktuk-Adventure) hat über zwölf Jahre den Rekord des YUKON-Quest gehalten – dem härtesten Hundeschlittenrennen – knapp 1.600 Kilometer, bei Temperaturen bis zu minus 50 Grad, über den zugefrorenen Yukon River, durch verschneite Wälder und über zerklüftete und steile Berge in etwas mehr als zehn Tagen.
Nach verspielten Stunden mit den Schlittenhunden, einem kühlen Bier am Lagerfeuer und hausgemachtem Northern BBQ mit Karibu-Fleisch verabschiedeten uns die 520 Pfoten und Frank Turner nach Sonnenuntergang mit einem gemeinsamen Heul-Konzert und Erik Schur als Stimmungsmacher.
Hier wurde uns auch bewusst, dass die Zeit am YUKON anders tickt. Man lebt einfach in den Tag hinein und der Besuch dauerte somit wesentlich länger, als wir uns vorgenommen hatten.
Eine der härtesten Etappen führte uns nach Skagway / Alaska. Es galt den White Pass zu erklimmen, der über eine Distanz von nur 23 Kilometer gute 1000 Höhenmeter in sich birgt. Bereits am Grenzübergang in die USA wurden wir für “crazy” erklärt, da die wenigen Radfahrer und Abenteurer den Pass nur runterfahren, wir wollten rauf. Auf dem Weg nach Skagway erblickten wir in der Nähe des Chilkoot-Trail etwas, was wir als Kinder nur aus dem Zoo oder Zirkus kennen, ein Bär – ein Grizzly beim Fischen in freier Wildbahn.
Von Wolfgang angewiesen den Sicherheitsabstand von 100 Metern einzuhalten, standen wir eine Weile wie angewurzelt zwischen Büschen und beobachteten den Grizzly, wie er Lachse elegant mit seinen großen Pranken aus dem Wasser fischte. Er schaute immer wieder zu uns rüber. Wir konnten uns an dem Anblick nicht sattsehen und fuhren erst weiter, nachdem der Bär, mit einem Fisch im Maul, in aller Seelenruhe davon trottete.
Im Skagwayer Hafen startend, traten wir unter zahlreichen Beobachtern in die Pedalen den White Pass hoch. Nach einer schweißtreibenden Stunde Auffahrt kam uns der höchste Punkt wie eine Zieldurchfahrt vor.

